Knotenfestigkeit, ein Versuchsbericht von Herman Reincke

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Einleitung

In den Knotenbüchern liest man, dass ein Knoten in der Leine die Reißfestigkeit halbiert. Das wollte ich gerne genauer wissen. Da bekam ich das Angebot, im Labor der Hochschule Ravensburg-Weingarten eine praktische Versuchsreihe zu fahren. So ein Glück! Schon am nächsten Abend hatte ich etwa 20 Knotenschnüre geknüpft. Und nach wenigen Tagen wurde die Prüfmaschine Zwick-1464 für den Versuch gestartet. Eine Schnur nach der anderen wurde zerrissen und alle Ergebnisse protokolliert.

Herzlichen Dank an die Hochschule und ihre hilfsbereiten, freundlichen Mitarbeiter. Wir wissen, dass die Knotenfestigkeit der verschiedenen Leinentypen unterschiedlich ist. Vereinfacht kann man sagen, dass geflochtene Leinen mit wenig Dehnung (Kevlar) weniger knotenfest sind als geflochtene Leinen mit mehr Dehnung (Dacron). Für umsponnene Leinen gelten andere Regeln, sie enthalten meist unverdrillte Faserbündel aus Polyester mit minimaler Dehnung und großer Reißfestigkeit. Solche Leinen halte ich für gut knotenfest. Für die Versuche wurde die Climax Blackline 40 von Ockert mit 40 DaN Reißfestigkeit benutzt. (40 Deka Newton entsprechen etwa 39 Kilopond). Die Blackline ist eine typische Einleinerschnur mit großer Dehnung, vermutlich Dacron, locker geflochten, ziemlich glatt und gut zu Spleißen.

Meßergebnisse: Viele Knoten besitzen mehrere Namen, deshalb sind nachstehend alle Knoten bebildert. So erkennt jeder, welcher Knoten gemeint ist.

Meßmethode

  1. Blackline ohne Knoten: Gemessene Reißfestigkeit 439,5 N, die neue, unbeschädigte Leine ist also fast 10% überlastbar. Den nachstehenden Messergebnissen werden 440 N als 100% zugrunde gelegt.
  2. Zur Messung wurde ein gratfreier 15mm Aluring mit 2 Knoten in die Mitte des Prüflings geknüpft. Der zuerst gerissene Knoten bestimmt das Messergebnis.

Knoten

Buchtknoten+Stopper
reißt bei 247N entspr. 56%
Knotenfestigkeit1.jpg
Mastwurf (Webeleinstek)+Stopper
reißt bei 231N entspr. 52%
Knotenfestigkeit2.jpg
Mastwurf gemantelt
reißt bei 277N entspr. 63%
Knotenfestigkeit3.jpg
Palomarknoten
reißt bei 239N entspr. 54%
Knotenfestigkeit4.jpgKnotenfestigkeit5.jpg
Doppelpalstek
reißt bei 211N entspr. 48%
Knotenfestigkeit6.jpg
Roringstek+Stopper
reißt bei 228N entspr. 52%
Knotenfestigkeit7.jpg

Leinenverbindungen

Kreuzknoten+Halbschlag
reißt bei 139N entspr. 32%
Knotenfestigkeit8.jpgKnotenfestigkeit81.jpg
Doppelschotstek
reißt bei 217N entspr. 49%
Knotenfestigkeit9.jpg
Doppelschotstek, einseitig
gemantelt
reißt bei 238N entspr. 54%
Knotenfestigkeit10.jpg
Englischer Knoten
(Fischerknoten, Spierenstich)
reißt bei 165N entspr. 37%
Knotenfestigkeit11.jpg
Blutknoten
reißt bei 233N entspr. 53%
Knotenfestigkeit12.jpg
Knotenfestigkeit121.jpg
Palstek
(Einfachschotstek)
reißt bei 134N entspr. 30%
Knotenfestigkeit13.jpg
Doppelspleiß
reißt bei 373N entspr. 85%
(wichtig: Die Leine beim Einstich
der Spleißnadel nicht verletzen und
die Seele der Leine nicht ausreißen)
Knotenfestigkeit14.jpg

Abzweigschlaufen

z.B. zum Einhängen von Leinenschmuck. Das Ergebnis zeigt: Für einen Abzweig sollte man besser eine separate Leinenschlaufe mit einer festen Doppelbucht (Prusikknoten) über die Schnur legen.

Artillerieknoten
(Manharnessknoten)
der Hauptstrang reißt
bei 184N entspr. 42%
Knotenfestigkeit15.jpgKnotenfestigkeit152.jpg
Springerschlaufe
der Hauptstrang reißt
bei 221N entspr. 50%
Knotenfestigkeit16.jpgKnotenfestigkeit162.jpgKnotenfestigkeit163.jpg

Schlußfolgerungen

Das Ergebnis zeigt, dass manche Knoten die Leine bis auf 30% Reißfestigkeit reduzieren. Daher so wenig wie möglich knoten. Und folgende Empfehlungen bedenken:

  • Für Lenkdrachenschnüre an beiden Leinenenden eine gemantelte Schlaufe mit Achtknoten (Flämischer Knoten) vorsehen und diese Schlaufe mittels Buchtknoten an die Knotenleiter der Drachenwaage und der Griffe binden. Dieser Knoten wurde leider nicht geprüft.
  • Die meisten Einleiner besitzen an der Waage einen Zugring. Hierfür am drachenseitigen Leinenende mit Palomarknoten einen stabilen Ring (keinen Schlüsselring) befestigen, davor ein Karabiner zum Einhängen in den Zugring des Drachens.
  • Für starke Drachen zwei Bodenanker setzen, am vorderen die Leine mehrfach durch den Griff oder Ring hindurch schlaufen, das ergibt einen erheblichen Reibwiderstand. Etwa 1m dahinter einen zweiten Anker setzen und dort das Leinenende mit mehreren Mastwürfen befestigen.
  • Gerissene Leinen nicht flicken sondern austauschen. Notfalls vorübergehend durch einen gemantelten Doppelschotstek verbinden. Diesen Knoten bei hohl geflochtene Leinen möglichst bald durch einen gut gemachten Spleiß ersetzen. Nicht spleißfähige Leinen als Paketschnur verbrauchen.
  • Drachenschnüre altern. Nach 2 Jahren an Sonne und Luft hat Polyethylen (PE: Dyneema, Spectra) und Polyester (PES: Dacron) noch 90% Reißfestigkeit, Polyamid (PA: Nylon) noch 70%, Polypropylen (PP) noch 50% und Aramid (Kevlar) nur noch noch 25% Reißfestigkeit. (Quelle Bigon/Regazzoni: „Das Knotenbuch“ und Wikipedia). Strandflieger sollten beachten, dass feiner Sand in die Schnüre eindringen und sie dadurch erheblich schwächen kann. Ich weiß nicht, ob solche Schnüre durch Auswaschen gerettet werden können. Im Zweifelsfall besser gleich entsorgen.